SPD Stammtisch zur PFC Belastung in Rastatt und Mittelbaden

Veröffentlicht am 22.11.2018 in Ortsverein

„PFC riecht man und schmeckt man nicht“, antwortete Andreas Adam, 2.Vorsitzender der BI Sauberes Trinkwasser Kuppenheim auf die Frage eines Teilnehmers nach der oberflächlichen Eigenschaft von PFC.
Bereits zum zweiten Mal lud der SPD Ortsverein Rastatt zum politischen Stammtisch Mitglieder und interessierte Bürger ein, um sich ein aktuelles Bild über die regionale PFC-Belastung zu machen. Andreas Adam berichtete über Blutuntersuchungen im Rahmen des Humanbiomonitoring des Sozialministeriums, an deren Ausgestaltung die BI Sauberes Trinkwasser Kuppenheim beteiligt war.

Die Blutergebnisse seien ernüchternd. Im Durchschnitt weise das Blut der Menschen aus der Kontrollgruppe, die belastetes Trinkwasser getrunken haben, einen Wert von 15,6 Mikrogramm pro Liter auf. Der erst zwei Jahre alte empfohlene Grenzwert liege bei nur 2 Mikrogramm pro Liter. Bis jetzt veröffentlichte das Sozialministerium nur Durchschnittswerte. Eine nähere Auswertung solle im Dezember folgen, es fehle aber weiterhin eine medizinische Bewertung, beklagte Adam.
Wie aus der Presse zu entnehmen war, entschieden sich bereits 2017 die Blutspendedienste im Land kein Blutplasma von Spendern aus der Region zu verwenden. Die Behörden zögern weiterhin mit klaren Aussagen. Dabei gebe es Daten aus Reihenuntersuchungen von 69.000 mit PFOA belasteten Arbeitern und Anwohnern einer Chemiefabrik von DuPont in den USA, die ein signifikant erhöhtes Auftreten von Erkrankungen der Schilddrüse, Nieren- und Hodenkrebs, chronischen Darmentzündungen und Schwangerschaftskomplikationen aufwiesen. Die medizinische Forschung müsse intensiviert werden, um dauerhaften gesundheitlichen Schäden für die Bürger Mittelbadens auszuschließen, forderte der SPD-Vorsitzende Marcel Müller.
Die Blutuntersuchungen haben klar ergeben, dass die Hauptaufnahmequelle für PFC das Trinkwasser ist. Die PFC-Fahne des verunreinigten Grundwassers verschiebe sich in mehrere Richtungen und ist nicht mehr eingrenzbar. Das Wasserwerk Ottersdorf liefere noch unbelastetes Wasser für Rastatt. Es sei aber nur eine Frage der Zeit, wann die Belastung durch PFC auch hier steige. Ein kleiner Lichtblick sei das Wasserwerk in Rauental, erläuterte Adam. Nach jahrelangem Umbau und Ausstattung mit neuen Aktivkohlefiltern durch die Stadtwerke Rastatt, fließe fast PFC-freies Wasser in die Haushalte.
Man wisse, dass PFC-Rückstände nur bei hohen Temperaturen von 1100- 1300 Grad vernichtet werden könne, berichtete Adam weiter. Der Wasserversorgungsverband Vorderes Murgtal, der Kuppenheim mit Trinkwasser versorgt, leite jedoch das PFC-Retentat aus den Filtern in den Gewerbekanal. Von dort aus gehe die gesundheitsgefährdende Fracht in die Murg über. Marcel Müller stellte die Frage, welch schlechter Schildbürgerstreich es sei, die Murg mit Millionenaufwand zu renaturieren, um sie dann als Abwasserkanal für giftige Abfälle zu nutzen? Die Stadt Rastatt müsse hier Einhalt gebieten, mit ihrer Beteiligung am WVV Vorderes Murgtal habe sie ein Instrument an der Hand.
Mehr als 600 Hektar Boden sind in der Region belastet. Aktuelle Bodenproben ergaben, dass 90% des PFC sich immer noch in den oberen 40 Zentimeter befinden. Eine nennenswerte Auswaschung der Böden habe bisher nicht stattgefunden wie die Behörden vorausgesagt hatten, kommentierte Bernd Schlögl die Lage. Eine beherzte Sanierung der Flächen durch Abtragung sei immer noch möglich. Auch der Einsatz von Sanierungsbrunnen müsse verstärkt werden, fordert Schlögl.
In unserem Rechtsstaat gelte das Verursacherprinzip: Wer einen Schaden verursache, müsse dafür gerade stehen. Doch nach fünf Jahren ist die Verursacherfrage immer noch nicht endgültig geklärt. In diesem Zusammenhang forderte die SPD Rastatt, die Amtshaftung der genehmigenden und überwachenden Stellen, insbesondere des Landwirtschaftsamtes, zu überprüfen. Die Kosten der Verseuchung dürfe nicht allein über steigende Trinkwasserpreise an die Bürger weiter gegeben werden. Hier sollen und müssen die betroffenen Städte und Gemeinden, allen voran Rastatt, im Interesse der Bevölkerung handeln und ggf. den Klageweg beschreiten.
Die SPD Rastatt wird auch weiterhin Stammtische zum Thema PFC in der Region abhalten.

 

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