Verein Stolpersteine veranstaltet Gedenkzeremonie zur Pogromnacht in Rastatt

Veröffentlicht am 13.11.2022 in Allgemein

Kerze mit Rosenstrauß

Die Nacht vom 09. auf den 10. November 1938 markiert ein erschütterndes Datum für die jüdischen Gemeinden in Deutschland. Das nationalsozialistische Regime organisierte und lenkte Gewaltmaßnahmen mit dem Ziel, Mitbürger jüdischen Glaubens aus dem öffentlichen Leben gänzlich zu verdrängen. Synagogen wurden in Brand gesteckt, Tausende jüdische Geschäfte und Wohnungen geplündert und zerstört, jüdische Friedhöfe geschändet. Die Gedenkzeremonie zur Reichspogromnacht in Rastatt eröffnete der Vorsitzende des Vereins Stolpersteine Marcel Müller auf dem Marktplatz. Er gedachte der folgenschweren Ereignisse und erinnerte daran, wie viel Deutschland durch den Holocaust an Kultur verloren habe. Müller freue sich, dass die israelitische Gemeinde in Baden-Baden/Rastatt inzwischen wieder 200 Mitglieder habe. Im gleichen Atemzug mahnte er, dass wieder Tabus gebrochen und Antisemitismus stärker werde. „Nie wieder“, ist Müllers Botschaft.

Für die Stadt Rastatt sprach Bürgermeister Raphael Knoth, der am Gedenkstein am jüdischen Friedhof gemeinsam mit Vertretern der Stolpersteine und der israelitischen Kultusgemeinde Baden-Baden/Rastatt mit einer Kranzniederlegung den deportierten und ermordeten Rastatter Bürgern gedachte. 
Stolpersteine-Mitglied und SPD-Gemeinderätin Sybille Kirchner verlas in einer chronologischen Auflistung die antisemitischen Maßnahmen des NS-Regimes seit deren Machtergreifung 1933. Die Daten markieren den systematischen Weg der gesellschaftlichen und politischen Ausgrenzung jüdischer Bürger. 
Bernd Schlögl und Klaus Winterhoff gaben Augenzeugenberichte aus dem Jahr 1938 wieder, die von antisemitischen Ausschreitungen in Rastatt berichten. Das damalige Stuttgarter Generalkonsulat sah sich zu der Meldung in die USA veranlasst, dass „die Bürger Rastatts sich durch besonders unbarmherzige Behandlungen gegenüber den jüdischen Mitbürgern hervortaten.“ Unter Demütigungen und Misshandlungen mussten jüdische Männer an den Bahnhof marschieren. Es folgte die Deportationen in die Konzentrationslager.
Stadtarchivar und Stolpersteine Mitglied Oliver Fieg gedachte der jüdischen Rastatter Familie Nachmann aus der Augustastraße, deren Mitglieder rechtzeitig ins Ausland nach Palästina und in die USA fliehen konnten. Eine der Töchter, Gertrud Nachmann, starb 2022 im Alter von 107 Jahren in Denver/Colorado. Sie besuchte in den 1990er Jahren ihr früheres Elternhaus und das Kantorenhaus in Rastatt. In ihren Erinnerungen klingen bittere Worte mit. Die Angst und die erzwungene Emigration haben tiefe Wunden hinterlassen.
Nach dem Verlesen der Namen von jüdischen Bürgern aus Rastatt, die dem Nationalsozialismus zum Opfer fielen, beendete das Glockenläuten der St. Alexander Stadtkirche die respektvolle Gedenkzeremonie.

Teilnehmer der Gedenkveranstaltung

Niederlegung der Namensschilder

Namensschilder

 Jeder der Anwesenden der Gedenkzeremonie auf dem Marktplatz verlas einen Namen eines Rastatter Bürgers jüdischen Glaubens, der bei der Deportation oder im KZ ums Leben kam. In Anlehnung einer jüdischen Tradition wurden die Zettel mit einem Stein beschwert und auf dem Boden abgelegt.

 

Bilder: Robert Stephan, Xenia Schlögl

 

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