Bericht: SPD-Stammtisch im SchnickSchnack Niederbühl 05.04.2017

Veröffentlicht am 09.04.2017 in Veranstaltungen

Thema: „PFC im Blut?“/ PFC-Verunreinigung in unserer Region

Zahlreiche interessierte Bürger fanden sich zum SPD-Stammtisch in Niederbühl ein. Die Niederbühler Gemeinderätin Erna Mühlroth und der SPD Rastatt Vorsitzende Marcel Müller luden zum Thema, PFC-Verunreinigung in unserer Region, ein.

Als sachkundige und engagierte Bürger sprachen Gunter Kaufmann, SPD-Stadtrat und von der Bürgerinitiative Sauberes Trinkwasser für Kuppenheim (BSTK) deren zweiter Vorsitzender Andreas Adam zur Problematik und zum neuesten Stand der Entwicklung.
Marcel Müller betonte in seiner Eingangsrede, das PFC in der Region uns alle und unsere Gesundheit betrifft. Auf den flächenmäßig größten deutschlandweiten Umweltskandal reagierten die verantwortlichen Behörden erstaunlich zurückhaltend. Auch von einem grünen Umweltminister in der Landesregierung BaWü habe man mehr Engagement erwartet. Müller verwies auf die erst jetzt neu eingerichtete Anlaufstelle im RP Karlsruhe zur Koordinierung von PFC-Maßnahmen, sowie auf das geplante Humanbiomonitoring bei den betroffenen Bürgern seitens des Landesgesundheitsministeriums. „Dies ist ein klarer Erfolg bürgerlichen Engagements“, sagte Müller und dankte allen Beteiligten.
Gunter Kaufmann verwies auf die Anfänge der PFC-Problematik. Stadträtin Meyer-Reschenbach bat bereits 2012 den Geschäftsführer der STAR-Energiewerke Olaf Kaspryk um Informationen über Mikropartikel im Trinkwasser. Nach der Untersuchung mussten aufgrund weit überhöhter PFC-Werte die Wasserwerke in Niederbühl und Förch, sowie Rauental sofort geschlossen werden.
Was ist PFC?
PFC kommt nicht natürlich in der Umwelt vor, es gibt 800-1000 verschiedene Arten. Die langkettigen PFOA, die nicht abbaubar sind, fand man in unserem Grundwasser und im Trinkwasser der stillgelegten Wasserwerke in Rastatt, sowie im Wasserwert des Wasserversorgungsverbandes Vorderes Murgtal in Förch.
Einem möglichen Verursacher, der legal oder illegal Kompost mit Papierschlämmen vermischt und Bauern zur kostenlosen Felderdüngung angeboten hatte, konnten die Behörden bisher nicht habhaft werden. Gunter Kaufmann drängte durch Nachfragen, Eingaben, Schriftverkehre die Behörden schnellstmöglich die Ausbreitung des PFC im Grundwasser zu verhindern. Jedoch verstrichen wertvolle Jahre. „Das alles vermittelte den Eindruck einer organisierten Verantwortungslosigkeit“, so Kaufmann. Durch die enorme Ausbreitung des PFC in der Fläche können Erdaushübe nicht mehr gemacht werden. Abhilfe könnten Brunnengalerien leisten, die das Grundwasser reinigen.
Wie Verantwortung für die Mitbürger auch aussehen kann, bewies bisher die BSTK. Andreas Adam, vom Vorstand der BSTK, sprach über das Engagement zahlreicher Kuppenheimer Bürger, die auf eigene Kosten Blutuntersuchungen durchführen ließen. Obwohl das Wasserwerk des Wasserversorgungsverbandes Vorderes Murgtal, der Kuppenheim, Förch, Teile von Gernsbach und Selbach mit Trinkwasser versorgt, eine Umkehrosmoseanlage besitzt, hatten alle Teilnehmer deutlich erhöhte PFC-Werte im Blut. Das ist bedenklich, da PFC vom Körper nicht abgebaut werden kann und sich in den Organen auf Dauer festsetzt.
Adam verwies auf die unsinnige Einleitung von PFC in die Murg durch den Wasserversorgungsverband Vorderes Murgtal. Das PFC wird durch die Umkehrosmose herausgefiltert und der entstandene Rückstand(Retentat) über den Gewerbekanal in die Murg entsorgt. Auch das Wasserwerk Sandweier leitet ihr PFC Retentat in den Sandbach ein, Baden-Baden hat bereits weitere Einleitungen beantragt.
Statt das Umweltgift durch Scheinverdünnen zu entsorgen, sollte das PFC-Retentat durch hintereinander geschaltete Umkehrosmoseanlagen aufkonzentriert und dann der Verbrennung in einer Sondermüllverbrennungsanlage zugeführt werden. Laut Experten kann PFC nur durch Verbrennung bei 1200 Grad zerstört werden.
Eine sinnvolle Forderung, der sich die SPD Rastatt anschließt.
Für entsetztes Staunen sorgte auch die Auskunft von Behörden, belastete Pflanzen noch im Jahr 2015 im Boden umzupflügen. Somit bleibt das Gift im Kreislauf erhalten. Adam fragte beim zuständigen Gesundheitsamt nach, ob es nicht sinnvoll sei, das Blut der Bevölkerung in der Region untersuchen zu lassen, um das Ausmaß zu erkennen. Die Antwort der Behörde war ernüchternd:“ Diese Forderung sei nicht zielführend“. Inzwischen hat ein Umdenken stattgefunden. Dem PFC-Expertenkreis beim Landesgesundheitsministerium, der das Humanbiomonitoring steuert, werden auch Mitglieder der Bürgerinitiative BSTK angehören.
Die verantwortlichen Behörden haben wertvolle Zeit verstreichen lassen. Die PFC-Problematik wurde erst kleingeredet, dann engagierte Bürger belächelt und erst jetzt, wo das Ausmaß durch Fakten belegt ist, beginnt ein langsames Umdenken.
Die SPD Rastatt fordert die Behörden auf, die Sanierung der Flächen voranzutreiben, die Verantwortlichen des PFC-Skandals zu benennen und in Haftung zu nehmen, und sich mit Gemeinden in Deutschland, die vor der gleichen Problematik standen oder stehen, auszutauschen. Regelmäßige Informationsveranstaltungen sollen über den Stand der Sanierungen abgehalten werden.
Das alles kostet Steuergelder, ja – aber sauberes Wasser ist ein Menschenrecht.
Die SPD Rastatt lädt den Umweltminister Untersteller ein, sich hier vor Ort selbst ein Bild zu machen und sich dem Gespräch mit den betroffenen Bürgern zu stellen. Die Stadtteile Niederbühl, Dörfel, Siedlung und Münchfeld wurden bis zur Stilllegung von den Wasserwerken Niederbühl und Rauental versorgt, eine PFC-Belastung wie bei den Kuppenheimer Bürgern ist nicht auszuschließen. Aus diesem Grund fordert die SPD Rastatt das Landesgesundheitsministerium auf, die betroffenen Stadtteile in das Humanbiomonioring aufzunehmen.
Die SPD Rastatt wird ihren nächsten Stammtisch zum Thema PFC für die Stadtteile Dörfel/Münchfeld/Siedlung veranstalten. Ort und Zeit werden noch bekannt gegeben.

 

 

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